Der Morgen am Achterwasser bei Zempin lag noch unter einem feinen Dunstschleier, als ich mich leise ins feuchte Ufergras gekauert habe. Die Luft roch nach Schilf, Erde und dem kühlen Hauch, der über das Wasser strich. Und plötzlich saß er da, auf einem kleinen, dürren Zweig direkt vor meiner Linse: das Schwarzkehlchen.
Sein tiefschwarzer Kopf, das kleine weiße Halsband und die leuchtend rostrote Brust hoben sich perfekt vom gedämpften Licht ab. Mit aufmerksamem Blick hielt er Ausschau nach kleinen Insekten, stellte das Gefieder kurz im Wind auf und stieß seinen typischen, metallischen Ruf aus. Jeder Auslöserklick fühlte sich in dieser fast unwirklichen Stille fast zu laut an. Für ein paar kostbare Sekunden waren es nur der Morgen, das weiche Licht über dem Achterwasser und dieser unerschrockene kleine Vogel im Sucher.
Steckbrief & Körpermaße
Körperlänge: 11,5 bis 13 Zentimeter
Gewicht: 10 bis 17 Gramm
Spannweite: 18 bis 21 Zentimeter
Lebenserwartung: In Freiheit meist 2 bis 5 Jahre
Aussehen (Geschlechtsdimorphismus)
Männchen (Prachtkleid): Tiefschwarzer Kopf und schwarze Kehle. Ein markanter, weißer Halsseitenfleck. Die Brust ist intensiv orange-rötlich gefärbt, der Bauch ist heller.
Weibchen: Deutlich schlichter und matter gefärbt. Der Kopf ist braun gestreift, die Kehle schmutzig weiß und die Brust nur schwach hellorange überhaucht.
Fortpflanzung & Brutbiologie
Geschlechtsreife: Nach dem ersten Lebensjahr
Brutzeit: März bis August
Bruten: Meist 2 Jahresbruten (selten 3)
Gelegegröße: 4 bis 6 Eier (blassgrün bis bläulich mit braunen Flecken)
Brutdauer: 13 bis 15 Tage (nur das Weibchen brütet)
Nestlingszeit: 12 bis 16 Tage (beide Eltern füttern)
Ernährung & Lebensweise
Nahrung: Hauptsächlich Insekten, Spinnen, Würmer und kleine Schnecken. Im Herbst und Winter fressen sie fütternsweise auch Beeren und Samen.
Jagdmethode: Ansitzjäger. Das Schwarzkehlchen wartet auf einer erhöhten Warte (z. B. Zaunpfahl oder Buschrute) und stößt im Sturzflug auf die Beute am Boden herab.
Lebensraum: Offene, sonnige Landschaften mit niedrigem Buschwerk, Ödländer, Moore, Heidegebiete und Brachflächen.
Zugverhalten
Verhalten: Je nach geografischer Lage Standvogel, Teilzieher oder Kurzstreckenzieher.
Ziele: Mitteleuropäische Populationen ziehen im Winter meist nach West- und Südeuropa oder nach Nordafrika.

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