Wenn du durch die alten, ehrwürdigen Baumalleen des Kurparks Wilhelmshaven spazierst und den Alltag hinter dir lässt, dauert es meist nicht lange, bis er deinen Weg kreuzt. Plötzlich blitzt zwischen den tiefen Grüntönen der Blätter ein unverkennbares, leuchtendes Blau auf. Es ist der Eichelhäher, der wie ein aufmerksamer Wächter durch sein Revier gleitet. Er ist kein scheuer Waldbewohner, sondern eine stolze, fast schon neugierige Persönlichkeit, die dem Park Leben einhaucht. Manchmal sitzt er auf einem Ast direkt über dem Spazierweg, legt den Kopf schief und scheint dich genauso genau zu beobachten wie du ihn.
Sein lauter, rauer Ruf mag dich im ersten Moment erschrecken, wenn er durch die Stille nahe der Teiche schallt, aber er gehört einfach zur Kulisse dazu. Er ist der unermüdliche Gärtner dieses Parks. Mit einer fast schon rührenden Hingabe vergräbt er im Herbst seine Schätze im weichen Boden des Kurparks – immer auf der Suche nach dem perfekten Versteck für die kalten Tage. Dass er viele dieser Eicheln später vergisst, ist ein wunderschönes Geschenk an die Natur, denn so pflanzt er ganz unbemerkt die mächtigen Bäume für die nächsten Generationen. Wenn du das nächste Mal auf einer der Parkbänke die Ruhe genießt, halte einfach mal die Augen offen. Dieser farbenfrohe Vogel zeigt uns, wie lebendig und voller kleiner Wunder selbst ein vertrauter Stadtpark sein kann.
Wissenschaftlicher Name: Garrulus glandarius
Familie: Rabenvögel (Corvidae)
Ordnung: Singvögel (Passeres)
Verbreitung: Europa, Teile Nordafrikas, Naher Osten sowie weite Teile Asiens
Lebensraum: Lichte Misch-, Laub- und Nadelwälder, Parks, große Gärten und Friedhöfe
Zugverhalten: Überwiegend Standvogel (Teilzieher) 
Körperbau & Aussehen
Größe: 32 bis 35 Zentimeter (Körperlänge, etwa taubengroß)
Spannweite: 52 bis 58 Zentimeter
Gewicht: 140 bis 190 Gramm
Gefieder: Überwiegend rötlichbraun bis rosafarben; charakteristisches helles Gesicht mit markantem schwarzen Bartstreif; leuchtend blau-schwarz gestreifte Flügelfelder; im Flug gut sichtbarer weißer Bürzel.
Geschlechtsdimorphismus: Äußerlich kaum unterscheidbar; Männchen sind tendenziell geringfügig größer. 
Fortpflanzung & Entwicklung
Paarungssystem: Monogam
Brutzeit: April bis Juni
Bruten: Eine Jahresbrut
Gelegegröße: 4 bis 6 Eier (selten bis zu 10)
Brutdauer: 16 bis 18 Tage
Nestlingszeit: Rund 20 bis 22 Tage (Nestlingsdauer)
Lebenserwartung: Durchschnittlich 5 bis 7 Jahre (in Ausnahmefällen deutlich älter). 
Ernährung & Verhalten
Ernährung: Allesfresser (Omnivor). Im Frühjahr und Sommer überwiegt tierische Kost (Insekten, Raupen, Larven, Spinnen, selten auch Kleinsäuger, Eier und Jungvögel). Im Herbst und Winter dominiert pflanzliche Nahrung (Eicheln, Bucheckern, Nüsse, Beeren).
Vorratshaltung: Versteckt im Herbst mehrere Tausend Eicheln und Nüsse als Wintervorrat im Boden. Bis zu 10 Eicheln können im dehnbaren Kehlsack transportiert werden. Durch nicht wiedergefundene Verstecke trägt er maßgeblich zur Waldverjüngung bei („Förster des Waldes“). 
Besonderheiten: Sehr lauter, heiserer Warnruf („krschäääh“), der andere Waldbewohner alarmiert („Wächter des Waldes“). Ausgeprägte Fähigkeit zur Spottvogel-Imitation (ahmt Rufe von Bussarden, Habichten oder Spechten nach). 

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